Klassifizierungssysteme (auch Warengruppen- oder Produktklassifikationen) dienen der strukturierten Einordnung von Produkten und Dienstleistungen anhand definierter, hierarchisch aufgebauter Schlüssel. Im E-Procurement bilden sie die Grundlage für eine eindeutige, system- und herstellerübergreifende Identifikation von Materialien. Damit stellen sie eine zentrale Voraussetzung für automatisierte Beschaffungsprozesse sowie für Reporting, Spend-Analysen und Compliance-Prüfungen dar.
Die Lösung PunchCommerce unterstützt die Übertragung von Klassifizierungscodes zwischen Lieferantenshops und angebundenen Beschaffungssystemen wie SAP Ariba, SAP SRM, Coupa, Onventis oder Mercateo. Dabei wird sichergestellt, dass die Klassifikationsdaten im jeweils erforderlichen Austauschformat (OCI bzw. cXML) korrekt und konsistent übergeben werden.
Beschaffungssysteme verwenden Klassifizierungscodes zur strukturierten Verarbeitung und Auswertung von Produkt- und Warendaten. Insbesondere unterstützen sie folgende Funktionen:
Warengruppen-Mapping: Automatische Zuordnung von Produkten zu internen Kostenstellen, Sachkonten oder Materialgruppen auf Basis standardisierter Klassifikationen (z. B. UNSPSC oder eCl@ss).
Genehmigungs-Workflows: Steuerung von Freigabeprozessen abhängig von der Produktkategorie oder Warengruppe, beispielsweise für besonders kostenintensive oder regulierte Güter.
Spend-Analysen und Reporting: Konsolidierte Auswertung von Beschaffungsdaten über verschiedene Lieferanten hinweg durch einheitliche Klassifizierungsstandards.
Compliance-Prüfungen: Unterstützung bei der Einhaltung gesetzlicher und unternehmensinterner Vorgaben, etwa im Bereich Gefahrstoffmanagement oder Exportkontrolle.
Lieferantenvergleichbarkeit: Sicherstellung der Vergleichbarkeit von Produkten unterschiedlicher Anbieter durch die Verwendung identischer Klassifizierungscodes.
Im Umfeld von Klassifikationen werden verschiedene etablierte Standards verwendet, die je nach Branche, Region und Anwendungsfall unterschiedlich stark verbreitet sind. Die folgenden Systeme zählen zu den wichtigsten im Kontext von Einkauf, Stammdatenmanagement und Katalogintegration.
eCl@ss ist ein internationaler, branchenübergreifender und ISO/IEC-konformer Standard zur Klassifizierung und Beschreibung von Produkten und Dienstleistungen. Er ist insbesondere im DACH-Raum, in der Industrie sowie im MRO-Umfeld weit verbreitet und wird von vielen Großunternehmen eingesetzt.
27-27-26-01)Der United Nations Standard Products and Services Code (UNSPSC) ist ein global verbreiteter, branchenübergreifender Klassifizierungsstandard. Er wird insbesondere im internationalen Procurement sowie in E-Procurement-Plattformen wie SAP Ariba häufig verwendet.
44121701 (Kugelschreiber)ETIM (Electro-Technical Information Model) ist ein führender Klassifikationsstandard für technische Produkte, insbesondere in den Bereichen Elektrotechnik, Sanitär, Heizung, Klima sowie Bau.
EC000123) sowie standardisierte Merkmale und Ausprägungenproficl@ss ist ein Klassifizierungs- und Stammdatenstandard für den technischen Großhandel und den Produktionsverbindungshandel (PVH). Der Fokus liegt auf Warengruppen wie Werkzeuge, C-Teile, Arbeitsschutz und Betriebseinrichtung.
GPC ist der Klassifizierungsstandard von GS1 und wird primär im Konsumgüterbereich (FMCG, Food und Near-Food) eingesetzt. Er ergänzt die GTIN/EAN-basierte Identifikation um eine standardisierte Warengruppenstruktur.
10000045Das Common Procurement Vocabulary (CPV) ist das offizielle Klassifizierungssystem der Europäischen Union für öffentliche Ausschreibungen und wird im Rahmen von EU-Vergabeverfahren verbindlich eingesetzt.
30192000-1 (Bürobedarf)NACE (bzw. die deutsche Variante WZ 2008) ist eine Klassifikation von Wirtschaftszweigen und keine Produktklassifikation im engeren Sinne. Sie wird primär zur Einordnung von Unternehmen verwendet.
Bei OCI 4.0/5.0 erfolgt die Übergabe über die folgenden Felder:
| Feld | Beschreibung |
|---|---|
NEW_ITEM-MATGROUP[n] |
Klassifizierungscode (Warengruppe) des Artikels |
NEW_ITEM-MATNR[n] |
Materialnummer beim Käufer (sofern bekannt) |
NEW_ITEM-VENDORMAT[n] |
Lieferanten-Materialnummer |
Das Format des Codes (eCl@ss, UNSPSC, …) wird typischerweise zwischen Käufer und Lieferant vereinbart und in PunchCommerce pro Connector konfiguriert.
Beispiel:
NEW_ITEM-MATGROUP[1]=27272601
Wichtig:
Bei cXML wird die Klassifizierung innerhalb des ItemOut- bzw. ItemDetail-Elements als Classification-Element übertragen. Das Attribut domain benennt das verwendete System.
<ItemDetail>
<Description xml:lang="de">Produktbeschreibung</Description>
<UnitPrice>
<Money currency="EUR">10.00</Money>
</UnitPrice>
<Classification domain="UNSPSC">43211503</Classification>
</ItemDetail>
<ItemDetail>
<Classification domain="UNSPSC">43211503</Classification>
<Classification domain="eCl@ss">19-02-01-01</Classification>
</ItemDetail>
In der Praxis verwenden Lieferanten und einkaufende Unternehmen häufig unterschiedliche Klassifizierungssysteme. Um dennoch eine konsistente Datenverarbeitung sicherzustellen, ist ein Mapping zwischen den jeweiligen Systemen erforderlich.
Typische Konstellationen sind:
PunchCommerce stellt hierfür eine Mapping-Tabelle pro Connector zur Verfügung.
OCI
Für die Anbindung an OCI ist ein entsprechendes Feldmapping anzulegen. Dabei wird festgelegt, welche Klassifikationsattribute an die OCI-Schnittstelle übergeben werden und wie diese technisch gemappt sind. Dies stellt sicher, dass die relevanten Daten korrekt übertragen und im Zielsystem verarbeitet werden können.
Zusätzlich ist die Anlage eines neuen Feldes für die Materialgruppe (MATGROUP) erforderlich. Dieses Feld dient der strukturierten Zuordnung von Materialien innerhalb der Klassifikation. Bei Bedarf kann darüber hinaus auch ein Feld für die Materialnummer (MATNR) angelegt werden, sofern diese Information für die weitere Verarbeitung oder Identifikation notwendig ist.
CXML
Für cXML kann analog zur OCI-Anbindung ein eigenes Feldmapping definiert werden. Die Konfiguration erfolgt ebenfalls über den Menüpunkt „Feldmapping“, in dem die entsprechenden Zuordnungen gepflegt werden.
Zur Übergabe der Klassifikationsinformationen stehen im Feldmapping die Felder „order_message.item.classification_type“ sowie „order_message.item.classification“ zur Verfügung. Über diese Felder werden sowohl der Typ der Klassifikation als auch die eigentlichen Klassifikationswerte an das Zielsystem übermittelt.
Durch die entsprechende Zuordnung wird sichergestellt, dass die Klassifikationsdaten korrekt im cXML-Format bereitgestellt und weiterverarbeitet werden können.
Einheitliches Klassifizierungssystem je Käufer-Connector verwenden
Auch wenn mehrere Klassifikationen parallel verarbeitet werden können, erleichtert ein führendes System (z. B. eCl@ss oder UNSPSC) die Auswertung und das Reporting erheblich.
Aktuelle Versionen einsetzen
Veraltete Versionen von Klassifizierungssystemen (z. B. eCl@ss oder ETIM) führen häufig zu Mapping-Lücken. Es wird empfohlen, mindestens eCl@ss 11 bzw. ETIM 8 oder höher zu verwenden.
Default-Codes nur gezielt einsetzen
Eine pauschale Verwendung von Default-Werten kann die Datenqualität und insbesondere Spend-Analysen negativ beeinflussen.
Mapping regelmäßig überprüfen und aktualisieren
Klassifizierungssysteme werden kontinuierlich weiterentwickelt. Neue oder geänderte Codes sollten zeitnah in das Mapping übernommen werden.
Validierungsmechanismen nutzen
PunchCommerce bietet die Möglichkeit, Klassifikationscodes syntaktisch zu prüfen (z. B. hinsichtlich Länge und Zeichensatz), um fehlerhafte Daten frühzeitig zu erkennen.